Briten sollen weniger wetten

Großbritannien ist eine wahre Zocker-Hochburg. Insbesondere Sportwetten stehen bei den Briten hoch im Kurs. Damit soll jetzt allerdings Schluss sein, denn die Regierung macht den Buchmachern inzwischen ordentlich Druck. Kurz vor dem royalen Event des Jahres gab Großbritannien bekannt, dass schon in Kürze einiges passieren soll in der Glücksspielbranche.

BritenAm gestrigen Samstag haben sich Prinz Harry und seine Meghan Markle offiziell das Ja-Wort gegeben. Indes rieben sich die britischen Buchmacher die Hände. Gerade solche Ereignisse bewegen Millionen Menschen im Land dazu, lukrative Sportwetten abzuschließen. Hinzu kommt, dass die Fußballweltmeisterschaft 2018 kurz bevorsteht. Um Einnahmen müssen sich Wettanbieter derzeit definitiv keine Sorgen machen. So rosig soll es jedoch nicht weitergehen, denn die Registrierung hat bereits angekündigt, sich mit der Branche anzulegen. Grund dafür ist in erster Linie die Debatte um Glücksspielsucht, die seit Jahren anhält. Es wird in Zukunft maximale Einsätze geben, an die sich Wettende halten müssen. Statt 100 Pfund können Besucher von Wettshops dann maximal 2 Pfund investieren. Das ist aber erst der Anfang.

Regierung geht gegen Spielmanipulation vor

Dass Sportwetten nach wie vor im Trend liegen, steht außer Frage. Dennoch gehen Kritiker und Spielsuchtexperten fest davon aus, dass gerade Live Wetten die Spielmanipulation fördern. Jens Kalle, einer von vielen Suchtforschern der Branche, gibt außerdem zu verstehen, dass es nicht unbedingt hilfreich ist, jemanden wie Oliver Kahn für Sportwetten weben zu lassen. Die Briten wetten indes nicht nur auf Fußballbegegnungen, sondern auch auf andere Sportarten sowie skurrile Dinge. Hierzulande würde sich wohl kaum jemand Gedanken darüber machen, mit welchem Hut die Königin zum Pferderennen erscheint oder wer das Glück hat, zum Chef der Bank of England ernannt zu werden. Dass die Briten manchmal komisch sind, steht außer Frage. Und nicht nur die Wettanbieter scheinen in ihrer Kreativität keine Grenzen zu können. Auch den Gästen merkt man an, dass sie sich durchaus Gedanken über solche Fragen machen. Ein korrekter Tipp kann sie schließlich schnell um mehrere hundert Pfund bereichern.

In der gesamten EU gibt es keinen Wettmarkt, der größer ist. Deutschland folgt mit relativ großem Abstand. Hier allerdings gibt es bereits strikte Regularien – solche, an denen es in Großbritannien bislang komplett fehlt. So setzen die Buchmacher allein 2017 rund 14 Milliarden Pfund um und übertrafen das Vorjahresergebnis damit sogar noch um 2 Milliarden Pfund. Die Glücksspielbehörde gibt an, dass in Großbritannien rund 48 aller Männer sowie 41 Prozent aller Frauen allein im letzten Monat Wetten abgeschlossen haben. Viele spielen deutlich öfter als einmal pro Woche, ein Großteil sucht regelmäßig Wettshops auf.

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Höchste Zeit für klare Grenzen

Die besagte Debatte um die Glücksspielsucht schwingt immer noch nach. In Zukunft wird man deshalb auch in Großbritannien über schärfere Gesetze nachdenken. Es kann durchaus passieren, dass sich das Landschaftsbild dadurch drastisch ändert. Aktuell gibt es in England mindestens genauso viele Wettshops wie rote Busse. Wie stark Sportwetten eingeschränkt werden, das ist bisher noch unklar. Man darf bei aller Prävention nicht vergessen, dass gerade Events wie die royale Hochzeit und natürlich auch die Fußball WM die Wirtschaft in Großbritannien ordentlich ankurbeln. In welchem Rahmen das Land auf diese gigantischen Einnahmen verzichten wird, bleibt abzuwarten.

Insbesondere die Gamble Aware macht sich stark für eine Regulierung. Spielsucht ist für das Umfeld unsichtbar und damit umso gefährlicher. Der Chef der Organisation gibt zu verstehen: „Schon jetzt gelten 430.000 Briten als Problemspieler, weitere zwei Millionen sind suchtgefährdet.“ Die Glücksspielkommission soll es nun richten. Neben der Einsatz-Senkung auf maximal 2 Pfund wird es zur Pflicht, dass Wettanbieter die Spielverluste transparenter aufzeigen. So können sich Kunden bewusst machen, wie viel Geld sie tatsächlich investieren. Der Chef der Association of British Bookmakers ist von den Plänen wenig begeistert. Er erklärt: „Ein Viertel der 100.000 Jobs unserer Branche wird wegfallen und 4000 Wettbüros werden schließen, wenn diese Vorschläge umgesetzt werden.“ Bleibt abzuwarten, wie drastisch Großbritannien am Ende durchgreift.