Casinostadt Campione zahlungsunfähig

Inmitten der traumhaften Stadt Campione, die direkt am Luganersee zu finden ist, steht es: das größte Spielcasino Europas. Prunkvolle Räume und jede Menge Spielmöglichkeiten haben dieses Casino groß gemacht. Das galt zumindest bisher, denn inzwischen leidet die Spielbank sehr unter finanziellen Einbrüchen sowie dem Wegbleiben von Gästen. Die finanzielle Situation ist derart kritisch, dass der Gemeinde nun nichts mehr übrig blieb als sich selbst für zahlungsunfähig zu erklären.

Campione2007 wurde das Casino di Campione am Luganersee errichtet – gestaltet und umgesetzt durch Mario Botta, einem erfahrenen Architekten. Spieler und Menschen mit Sinn für Design strömten seither in die Spielbank. Viele von ihnen reisten extra aus dem Ausland an, um sich einmal sehr in Europas größtem Casino umzusehen. Den Prunk hat das Etablissement zwar nicht verloren, seinen Reiz dagegen offensichtlich schon.

Das Problem: Die Spielbank gehört allein der Stadt Campione, es gibt also keine Teilhaber und Investoren. Genau das könnte der Gemeinde nun wirtschaftlich das Genick brechen. Die einst reichste Stadt Italiens hat jetzt offiziell erklärt, zahlungsunfähig zu sein. Es steht sogar derart schlecht um die finanzielle Lage, dass man über eine Insolvenz des Casinos nachdenkt.

Steuern wurden nicht bezahlt

Schon seit geraumer Zeit ist es dem Casino in Campione unmöglich, die erforderlichen Abgaben an die Gemeinde zu entrichten. In der Kasse der Stadt klafft nun ein riesiges Loch – immerhin geht es um etwa 30 Millionen Franken. Die Bilanzen sind alles andere als rosig. Vergangene Woche sprach der Gemeinderat Klartext und erklärte das Casino in Campione für zahlungsunfähig. Noch scheint nicht alle Hoffnung verloren. Zumindest Salmoiraghi, der Gemeinderat von Campione, gibt sich weiterhin zuversichtlich. In einer Presseerklärung teilte er mit:

Als ich am 30. Juni letzten Jahres mein Amt antrat, wusste ich, dass ich eine schwierige Situation vorfinden würde. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie derart katastrophal war. Ich habe alles versucht, aber eine andere Lösung scheint unmöglich. (…) Ich bin jedoch sicher, dass wir wieder wie Phönix aus der Asche auferstehen werden.

Insolvenzantrag gestellt – Zukunft von Campiones Casino ungewiss

Der Spielbank blieb erst einmal nichts anderes übrig, als einen offiziellen Konkursantrag einzureichen. Damit steht ein Schuldenausgleich vorerst in den Sternen. Die Zukunft des Casinos ist ungewiss, denn niemand kann voraussagen, ob sich die Spielbank möglicherweise irgendwann wirtschaftlich erholt. Aktuell stehen alle Zeichen auf Insolvenz. Daran hat nicht nur die Gemeinde zu kämpfen, sondern auch die Mitarbeiter des Spielcasinos. Angestellt sind insgesamt mehr als 600 Menschen – allein 100 von ihnen sind in der Gemeinde selbst zuständig für den reibungslosen Ablauf im Casino. Weitere 500 betreuen Kunden und übernehmen andere wichtige Aufgaben.

Dass immer wieder neue Hoffnung aufflammt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich steckt das Casino nicht zum ersten Mal in dieser Misere. Bereits vor rund einem Jahr hatte man den Schlüssel so gut wie umgedreht und die Spielbank für bankrott erklärt. Irgendwie war es dann aber doch möglich, das sprichwörtliche Ruder noch einmal rum zu reißen. Auf eine ähnliche Situation hoffen Betreiber und Gemeinde auch heute. Die Stärke des Schweizer Franken könnte Campione nun abermals das Genick brechen. Noch gibt es keine Pläne, wie sich ein Konkurs abwenden lässt. Das bedeutet auch weiteres Hoffen und Bangen für die besagten 600 Mitarbeiter.

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Gemeinde ohne Spielbank verloren

Faktisch ist die Gemeinde abhängig davon, wie es mit dem Casino weitergeht. Campione lebt seit nunmehr über 10 Jahren vor allen Dingen von dem wirtschaftlichen Ertrag der Spielbank. Mit den Abgaben der Spiele wird im Etat fest gerechnet. Allerdings hat man offenbar in der Gemeinde vergessen, die Steuern an den Kurs des Schweizer Franken anzupassen. Heute zahlen die Betreiber des Casinos deutlich mehr als noch vor 10 Jahren – zu viel, um finanziell standhaft zu bleiben. Wenn Europas größte Spielbank bestehen bleiben soll, dann braucht es jetzt ganz schnell ein Entgegenkommen der Gemeinde. Bisweilen haben sich die Verantwortlichen dazu aber noch nicht geäußert.