Die neue Art Glücksspielprävention?

Der Fachverband Glücksspielsucht hat sich entschieden, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Die Begründung: Es sind aus dem Nichts Nacktmodels aufgetaucht, die unerlaubterweise Werbung für illegale Online Casinos machen. Unter den Damen wurden unter anderem Yvonne Woelke sowie Micaela Schäfer erkannt. Bisweilen weiß jedoch niemand so genau, wer diese Art der Werbung in Auftrag gegeben hat.

Beim Heimspiel der Bundesliga, Bielefeld gegen Hannover96, traten die genannten Models auf und warben ohne Erlaubnis für nicht zugelassene Online Casinos. Generell ist Glücksspielwerbung in Deutschland ein heikles Thema. Die beiden waren noch dazu halbnackt und genossen damit vor allen Dingen die Aufmerksamkeit der männlichen Stadionbesucher. Der Auftritt der Frauen war quasi eine Tarnung, denn sie offerierten ihren Zuschauern „Botschafterinnen gegen Spielsucht“ zu sein. Hinter der Kampagne steckt aber definitiv etwas ganz anderes – und zwar ein Vergleichsportal für Online Casinos.

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Kampagne „kennedeinegrenzen“ sorgt für Wirbel

Bereits mehrfach wurde die Presseagentur mit Namen Presse.rocks zur neuen und nicht ganz jugendfreien Kampagne befragt. Hier gibt man an, man wolle „auf das wachsende Problem des pathologischen Glücksspiels in Deutschland aufmerksam machen.“ Dass dies nur ein Vorwand ist, war jedoch relativ schnell klar. Wer sich auf der werbetreibenden Seite umschaut, der erhält zahlreiche Testberichte und Vergleiche zu unterschiedlichsten Online Casinos – viele davon ohne jegliche Lizenz, schon gar nicht solche, die in Deutschland ausgestellt wurden. Die Glücksspielbranche im Netz schwebt seit Jahren in der rechtlichen Grauzone. Werbung unter dem Deckmantel der Prävention zu machen, und das noch dazu mitten in einem Fußballspiel, ist nun definitiv alles andere als clever.

Die besagte Grauzone nutzt Presse.rocks dazu, alle Angaben zum Auftraggeber für sich zu behalten. Dieser möchte logischerweise nicht genannt werden, denn ihm droht möglicherweise eine empfindliche Strafe wegen des Verstoßes gegen das Glücksspielgesetz. Seo + Expert hat sich kurze Zeit nach dem Trubel geäußert. Hier teilte man mit, dass in naher Zukunft keine weiteren Aktionen dieser Art geplant wurden. Allein diese eine Kampagne schlug offenbar mit mehreren hunderttausend Euro zu Buche. Der Geschäftsführer dementierte außerdem Gerüchte, selbst hinter der Kampagne zu stecken.

Gipfel der Dreistigkeit noch nicht erreicht

BielefeldAls seien Nacktmodels noch nicht genug, offerierten die unbekannten Auftraggeber außerdem, dem „Bielefelder Fachverband Glücksspielsucht“ im Zuge der Kampagne 3.000 Euro Spenden zu schenken. Dies ist bis heute nicht passiert. Eine Danksagung hatten die Verantwortlichen dennoch schon bei der Verbandsvorsitzenden, Ilona Füchtenschnieder, in Auftrag gegeben: „Die haben bei mir angerufen und gefragt, ob wir eine Pressemitteilung auf unsere Homepage stellen und uns für die 3.000 Euro bedanken.“ Die Dreistigkeit der nach wie vor unbekannten Auftraggeber kennt offensichtlich gar keine Grenzen.

Aus gegebenem Anlass hat sich der Verband recht schnell dazu entschieden, die Glücksspielaufsicht einzuschalten. Zum einen sollte klar sein, dass Spendengelder gerade bei Verbänden zur Prävention von Glücksspielsucht gerne gesehen. Geht es aber jedoch um solche Werbeportale, dann verzichtet die Vorsitzende dankend. Generell spricht nichts gegen Vergleichsportale. Problematisch wird es, wenn Werbekampagnen solch ein Ausmaß annehmen. Es wurde inzwischen Anzeige erstattet. Fehlen eigentlich nur noch die Verantwortlichen, doch die werden sicher nicht freiwillig auftreten und zu ihrer Kampagne stehen. Ob die „Stars ohne Hüllen“ mehr darüber wissen, ist fraglich. Zumindest sind Models wie Micaela Schäfer offenbar schnell für einen Job wie diesen zu begeistern – und das offenbar, ohne mehr über die wahren Hintergründe in Erfahrung gebracht zu haben. Ob auch den Models Strafen drohen, bleibt abzuwarten.

Ausgang noch immer ungewiss

Letztlich müssen die Gerichte prüfen, in wieweit ein Strafantrag durchgeht. Nach wie vor stehen sich das EU Recht und die deutsche, nicht ganz saubere Gesetzgebung im Wege. Fakt ist jedoch, dass sich die Verantwortlichen mit den nackten Tatsachen zum Thema Glücksspiel mächtig Ärger eingehandelt haben. Der Zweck, möglichst viel Aufsehen zu erregen, der wurde abschließend eindeutig erfüllt.