Spielsucht – welche Verantwortung tragen Casinos?

Busfahrer Michael T. war rund drei Jahre lang für den „Casino-Blitz“ Bus zuständig. Die Tour führte von München zur Spielbank in Garmisch-Partenkirchen. Statt nur seine Fahrgäste abzusetzen, begann der Fahrer irgendwann, selbst zu zocken – und verlor in genanntem Zeitraum mehr als 188.000 Euro. Nun klagt er gegen die Spielbank.

Der Casino-Blitz ist ein Shuttle Bus, mit dem Gäste des Casinos in Garmisch-Partenkirchen direkt vor der Tür abgesetzt werden sollen. Michael T. hatte lange Zeit die ehrenvolle Aufgabe, seine Fahrgäste dort abzusetzen und für deren Sicherheit zu sorgen. Sich selbst hatte der inzwischen 65 Jahre alte Busfahrer dabei offensichtlich komplett aus den Augen verloren. Statt sich ausschließlich seinem Job zu winden, begann Michael T. mit dem Spielen. Jetzt muss der Freistaat Bayern herhalten. Ihn verklagt der Busfahrer, da es sich bei der Spielbank um eine handelt, die vom Freistaat betrieben wird. 188.115,65€ soll man ihm auf den Cent genau erstatten.

Fall landet vor Gericht

Möglicherweise hat T. sogar Recht, denn schlussendlich gibt es eine Spielbankenverordnung. Der Anwalt äußerte sich wie folgt: „Die Mitarbeiter hätten erkennen müssen, dass mein Mandant pathologisch spielsüchtig ist, hätten ihm eine Sperre erteilen müssen.

Tag für Tag fuhr Michael T. seine Tour, immer mit rund 30 Passagieren an Bord. Er hatte somit auch jeden Tag mindestens fünf Stunden lang die Gelegenheit, sich selbst dem Spielen zuzuwenden. Wie er selbst sagte, war er längst bekannt bei den Croupiers der Spielbank. Der Mann ist allerdings nicht nur Busfahrer, sondern auch Familienvater. Zwischen 2012 und 2015 verzockte er ungefähr 190.000 Euro – rund 30.000 schleppte Michael T. jeden Monat ins Casino. Neben dem Lohn verspielte er sogar sein Erbe, das eigentlich dazu gedacht war, sich fürs Alter abzusichern. Zu guter Letzt blieb dem Mann nichts anderes übrig, als seiner Familie alles zu beichten.

Ein Gutachten soll nun klären, ob es sich bei dem Verhalten wirklich schon um Spielsucht handelt. Die Anwälte der Spielbank sagen ganz klar, eine solche sei nicht erkennbar gewesen. Zumindest den Casino Blitz fährt er inzwischen nicht mehr. Stattdessen werden von ihm nur noch Schulkinder transportiert.

Die Frage aller Fragen: Welche Verantwortung tragen Spielbanken

FrageAuf der Seite Gesetze Bayern wird in Artikel 4a Absatz 2 der Spielbankenordnung Folgendes geregelt: „Die Spielbanken sperren Personen, die dies beantragen (Selbstsperre). 2Sie sperren weiter Personen, bei denen sie auf Grund der Wahrnehmung ihres Personals oder auf Grund von Meldungen Dritter wissen oder auf Grund sonstiger tatsächlicher Anhaltspunkte annehmen müssen, dass sie spielsuchtgefährdet oder überschuldet sind, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen oder Spieleinsätze riskieren, die in keinem Verhältnis zu ihrem Einkommen oder Vermögen stehen (Fremdsperre). 3Sie können Personen sperren, die gegen die Spielbankordnung (Art. 4) oder die Spielregeln verstoßen, gegen die ein begründeter Verdacht eines solchen Verstoßes besteht oder denen auf Grund des Hausrechts der Zutritt zur Spielbank untersagt wurde (Störersperre). 4Den Betroffenen sind der Grund und die Dauer der Sperre bekannt zu geben.

Logische Schlussfolgerung kann also nur die sein, dass den Mitarbeitern durchaus eine gewisse Pflicht auferlegt wird. Sie sollen Spieler beobachten und das gerade bei höheren und häufigeren Einsätzen. Wenn also ein Busfahrer, der allen Croupiers und weiteren Mitarbeitern des Casinos bekannt ist, 30.000 Euro je Monat „aus dem Fenster wirft“, dann kann man doch durchaus davon ausgehen, dass er über seine Verhältnisse spielt. Welcher Busfahrer verdient schließlich solche Unsummen?

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Richter wartet auf Gutachten

Der Hauptverantwortliche in diesem Verfahren sagt klar aus, dass Michael T. ein Recht auf Rückerstattung hat, wenn ihm eine Spielsucht attestiert werden kann. Es war von Seiten des Casinos ersichtlich, dass solche Summen keinem normalen Busfahrer zur freien Verfügung stehen. Allein der tägliche Spielbankenbesuch ist in der Regel ein Indiz dafür, dass ein Gast pathologisches Spielverhalten an den Tag legt. Auch Online Casinos haben im Grunde genommen immer eine gewisse Pflicht. Diese wird offensichtlich ernster genommen als in vielen landbasierten Spielbanken.